Ratgeber Produkttaxonomie: eCl@ss
So funktioniert eCl@ss: Kategoriestruktur, Hierarchieebenen und Pflichtattribute.
Was ist eCl@ss?
eCl@ss ist der international anerkannte Referenzdatenstandard für die Klassifizierung und Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen. Entwickelt und gepflegt wird er von eCl@ss e.V., einem gemeinnützigen Verbund mit weltweit über 4.500 Unternehmen. eCl@ss liefert ein einheitliches Vokabular, mit dem Hersteller, Händler und Beschaffungssysteme entlang der globalen Lieferkette Produktdaten reibungslos austauschen.
Was eCl@ss von anderen Klassifizierungssystemen unterscheidet, ist das eng verzahnte Merkmalsmodell. Jede Klasse ist nicht nur durch ihre Position im Taxonomiebaum definiert, sondern auch durch einen umfassenden Satz standardisierter Merkmale (Attribute) und Werte. Das macht eCl@ss besonders stark für Industrie 4.0, digitale Zwillinge und automatisierte Beschaffung, wo präzise und maschinenlesbare Produktbeschreibungen die Voraussetzung für Interoperabilität sind.
eCl@ss ist in vier Hierarchieebenen gegliedert: Sachgebiet (Segment), Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe (Commodity Class). Jede Untergruppe ist mit einem kuratierten Merkmalssatz verknüpft, der aus einem gemeinsamen Verzeichnis von über 19.000 standardisierten Attributen stammt. So bleiben Produktdaten einheitlich, egal in welcher Sprache, in welchem Land oder in welchem Unternehmenssystem du sie nutzt. Damit ist eCl@ss das Rückgrat des Produktdatenmanagements in der Fertigung und im industriellen B2B-Handel.
Auf einen Blick
- Gepflegt von
- eCl@ss e.V.
- Gründungsjahr
- 2000
- Behandelte Version
- 16.0
- Offizielle Website
- Offizielle Website
- Offener Standard
- Nein
Kategoriehierarchie: eCl@ss
Ein Ausschnitt aus der Hierarchie dieses Standards. Die Kategorienamen stehen in der englischen Originalfassung.
Maschinenbau
Elektrotechnik
Verfahrenstechnik
So ist eCl@ss aufgebaut
Die wichtigsten Regeln, nach denen diese Taxonomie Produkte ordnet
- 1
Vierstufige Hierarchie
Jedes Produkt wird in einer festen vierstufigen Hierarchie klassifiziert: Sachgebiet (2 Ziffern), Hauptgruppe (2 Ziffern), Gruppe (2 Ziffern) und Untergruppe (2 Ziffern). Daraus entsteht ein 8-stelliger Klassifizierungscode wie 23-17-04-01.
23-17-04-01: Kugellager, einreihig, Rillenkugellager27-02-24-03: Temperatursensor, Widerstandstyp36-01-08-02: Kreiselpumpe, selbstansaugend - 2
Standardisierte Merkmalssätze
Jede Untergruppe ist mit einem festgelegten Merkmalssatz aus dem eCl@ss-Merkmalsverzeichnis verknüpft. Merkmale haben standardisierte Namen, Datentypen, Maßeinheiten und Wertelisten. So beschreibt jeder Lieferant dieselben Produkteigenschaften auf dieselbe Weise.
Lagerinnendurchmesser (mm), dynamische Tragzahl (kN)Messbereich min./max. des Sensors (C), Art des AusgangssignalsFörderstrom der Pumpe (m3/h), Nenndruck (bar) - 3
Internationale Identifikatoren (IRDI)
Jedes Element in eCl@ss, ob Klasse, Merkmal oder Wert, erhält einen weltweit eindeutigen International Registration Data Identifier (IRDI) nach ISO/IEC 11179. Dieser maschinenlesbare Identifikator sorgt für eindeutige Verweise über verschiedene IT-Systeme und Sprachen hinweg.
0173-1#01-AAA001#001 (Klassen-IRDI)0173-1#02-AAB100#005 (Merkmals-IRDI)0173-1#07-AAA001#001 (Wert-IRDI) - 4
Konformitätsklassen BASIC und ADVANCED
eCl@ss gibt es in zwei parallelen Konformitätsklassen. BASIC liefert die vierstufige Klassifizierungshierarchie plus einen Basismerkmalssatz je Untergruppe. Das reicht, um einen Katalog zu kategorisieren und mit Partnern auszutauschen. ADVANCED ergänzt das vollständige strukturierte Merkmalsmodell, einschließlich Application Classes, die kaufmännische Merkmale, technische Spezifikationen und Nachhaltigkeitsdaten in einer Darstellung bündeln, die sich für Verwaltungsschalen (Asset Administration Shells, AAS) und digitale Zwillinge eignet. Wähle BASIC für Klassifizierung und Suche, ADVANCED, wenn nachgelagerte Systeme maschinenlesbare technische Merkmale verarbeiten.
Pflichtattribute je Kategorie
Pflicht- und empfohlene Attribute für wichtige Kategorien dieses Standards
eCl@ss in der Praxis
Branchen und Situationen, in denen dieser Standard am häufigsten zum Einsatz kommt
Fertigung und MRO-Beschaffung
Hersteller und Instandhaltungsabteilungen klassifizieren mit eCl@ss Ersatzteile, Rohstoffe und MRO-Bedarf (Maintenance, Repair and Operations). Eine einheitliche Klassifizierung ermöglicht automatischen Katalogabgleich, reduziert Maverick Buying und vereinfacht die Beschaffung von Zehntausenden industriellen Komponenten in globalen Lieferketten.
Industrie 4.0 und digitale Zwillinge
eCl@ss ist das semantische Rückgrat für Verwaltungsschalen (Asset Administration Shells, AAS) und digitale Zwillinge. Jedes physische Asset lässt sich mit eCl@ss-Merkmalen beschreiben. So arbeiten IoT-Plattformen, ERP-Systeme und Engineering-Tools zusammen, ohne manuelles Daten-Mapping oder individuelle Integrationen.
B2B-Kataloge und E-Commerce
Technische Händler und B2B-Online-Marktplätze vereinheitlichen mit eCl@ss die Produktkataloge vieler Lieferanten. Das ermöglicht katalogübergreifende Suche, automatische Produktvergleiche und eine reibungslose Anbindung an eProcurement-Systeme wie SAP Ariba, Coupa und Oracle Procurement Cloud.
Engineering und Anlagenplanung
Ingenieurbüros und EPC-Generalunternehmer (Engineering, Procurement, Construction) klassifizieren mit eCl@ss Ausrüstung und Komponenten bei der Anlagenplanung. Das standardisierte Merkmalsmodell sorgt dafür, dass technische Spezifikationen über den gesamten Projektlebenszyklus korrekt aus Planungstools (CAD/CAE) in Beschaffungssysteme und Asset-Management-Plattformen fließen.
Vor- und Nachteile: eCl@ss
- Eng verzahntes Merkmalsmodell mit über 19.000 standardisierten Attributen für präzise, maschinenlesbare Produktbeschreibungen, weit über eine reine Kategorisierung hinaus.
- Weltweit anerkannter Standard, unterstützt von großen ERP-Anbietern (SAP, Oracle, Microsoft Dynamics) und eingesetzt von über 4.500 Unternehmen in mehr als 40 Ländern.
- Unverzichtbar für Industrie 4.0 und digitale Zwillinge, als semantische Schicht für Verwaltungsschalen (AAS) gemäß der IDTA-Spezifikation.
- Mehrsprachig mit Übersetzungen in über 16 Sprachen, sodass du Produktdaten international austauschst, ohne sie manuell zu übersetzen.
- Die Lizenzkosten können erheblich sein, vor allem für die Advanced-Stufe mit vollem Merkmalszugriff. Für die kommerzielle Nutzung gibt es keine kostenlose Stufe, was kleinere Unternehmen abschreckt.
- Hohe Komplexität und steile Lernkurve. Produkte korrekt mit allen Pflichtmerkmalen zu klassifizieren, erfordert Fachwissen und oft eigene Datenmanagement-Mitarbeitende oder Berater.
- Vor allem auf industrielle und technische Produkte ausgerichtet. Konsumgüter, Lebensmittel, Mode und andere Handelskategorien sind kaum oder gar nicht abgedeckt, daher taugt eCl@ss nicht als universelle Produkttaxonomie.
So setzt du eCl@ss um
Schritt für Schritt zu diesem Taxonomie-Standard in deinem Produktkatalog
01
Produktportfolio prüfen
Erfasse zuerst alle Produkte und Komponenten, die du klassifizieren musst. Halte fest, welche Datenattribute du heute pflegst, und vergleiche sie mit den eCl@ss-Merkmalssätzen. Lege fest, welche eCl@ss-Sachgebiete (zum Beispiel Maschinenbau oder Elektrotechnik) für deinen Katalog relevant sind, und schätze den Umfang des Klassifizierungsprojekts ab.
02
eCl@ss-Lizenz und Tools besorgen
Registriere dich bei eCl@ss e.V. und erwirb die passende Lizenzstufe (Basic oder Advanced) für deinen Einsatzzweck. Lade die eCl@ss-Inhaltsdateien (XML/CSV) herunter oder verbinde dich über die eCl@ss-API. Prüfe Klassifizierungstools wie die eCl@ss Content Development Platform (CDP), Contentserv, Stibo Systems oder WISEPIM, die eCl@ss-Mapping von Haus aus mitbringen.
03
Produkte Untergruppen zuordnen
Ordne jedes Produkt in deinem Katalog systematisch der spezifischsten eCl@ss-Untergruppe (der vierten Ebene) zu. Beginne mit deinen umsatzstärksten oder wichtigsten Produktlinien. Finde die passende Klasse über das eCl@ss-Suchportal oder dein PIM-Tool. Dokumentiere Produkte ohne eindeutige Entsprechung für eine spätere Prüfung oder einen Änderungsantrag bei eCl@ss e.V.
04
Standardisierte Merkmale befüllen
Befülle für jede zugeordnete Untergruppe die Pflicht- und empfohlenen eCl@ss-Merkmale mit deinen Produktdaten. Wandle bestehende Daten so um, dass sie zu eCl@ss-Einheiten, Wertelisten und Datentypen passen. Automatisiere dieses Mapping wo möglich mit ETL-Pipelines oder PIM-Transformationsregeln. Prüfe die Datenqualität mit den eCl@ss-Validierungsregeln, damit alles konform ist.
05
Integrieren, testen und pflegen
Verbinde deine mit eCl@ss angereicherten Produktdaten mit nachgelagerten Systemen wie ERP, eProcurement-Portalen und B2B-Marktplätzen. Teste den Datenaustausch mit deinen wichtigsten Handelspartnern, um die Interoperabilität zu prüfen. Richte einen Governance-Prozess ein: für die Klassifizierung neuer Produkte, für Merkmalsupdates bei den jährlichen eCl@ss-Releases und für Änderungsanträge zu fehlenden Klassen oder Merkmalen.
eCl@ss-Toolkit für die Einführung
Ein umfassender Leitfaden für die Einführung von eCl@ss in deinen Produktdaten-Workflow, mit Mapping-Vorlagen, Merkmals-Checklisten und Best Practices für die Klassifizierung industrieller Produkte.
- Schritt-für-Schritt-Workflow für das eCl@ss-Mapping mit Excel-Vorlagen für die Zuordnung vom Sachgebiet bis zur Untergruppe
- Checkliste zur Merkmalsvollständigkeit für die 50 meistgenutzten eCl@ss-Untergruppen in der Fertigung
- Integrationsleitfaden für die Anbindung eCl@ss-klassifizierter Daten an SAP, Oracle und große eProcurement-Plattformen
- ROI-Rechner, mit dem du Zeit- und Kostenersparnis durch standardisierte Produktklassifizierung abschätzt
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu eCl@ss
Weitere Taxonomie-Standards
Weiter entdecken
Handverlesene nächste Schritte, um tiefer einzusteigen.
Bereit für eCl@ss?
WISEPIM schlägt per KI passende Kategorien für deine Produkte vor. Du prüfst die Vorschläge, statt jeden Artikel von Hand einzuordnen.